Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Veranstaltungen_Redaktion Juni_Redaktion Muslime in Berlin – Bauwerke, Erinnerungsorte und Lebenszeichen
Artikelaktionen

Muslime in Berlin – Bauwerke, Erinnerungsorte und Lebenszeichen

Was Stadtführung
Wann 23.06.2007
von 03:00 pm bis 05:30 pm
Wo Treffpunkt Franzoesischer Dom, Stadtfuehrung durch Berlin
Name Biagia Bongiorno
Contact Email
Termin übernehmen vCal
iCal

Zweistündige Führung für bis zu 15 Personen an signifikante Orte muslimischen Lebens sowie des Miteinander zwischen den Kulturen unter der Leitung con Biagia Bongiorno (TU-Berlin)

Um Anmeldung wird gebeten.

Bitte beachten Sie, dass während der Stadtführung öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden, für die Fahrscheine erworben werden müssen.



Programm:

Seit mehreren Jahrzehnten sind muslimische Migranten in Berlin ansässig. Sie haben sich in der bestehenden, steinernen Stadt eingerichtet, Orte angeeignet, zunächst diskrete Zeichen der Orientierung und Zugehörigkeit angebracht und nun, in jüngerer Zeit, weithin sichtbare eigene Kultbauten errichtet. Sie sind mithin nicht nur als Nutzer und mögliche Rezipienten, sondern auch als Schöpfer von städtischer Kultur und städtischem Kulturerbe zu beachten. Solches Migrantenkulturerbe, das mehr auf zeitgeschichtliche Vorgänge als auf eine abgeschlossene Vergangenheit verweist und in jedem Falle die jeweilige Gruppenidentität stützt, ist als kulturelle Ressource für die gesamte Berliner Stadtgesellschaft zu erschließen.

Ein Forschungsprojekt am Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU widmet sich diesem Themenfeld im weiteren Sinne, also nicht ausschließlich in Bezug auf Bürger muslimischer Religionszugehörigkeit. Wie definieren unterschiedliche Gemeinschaften ihr eigenes Kulturerbe, welchen Anteil hat dieses am allgemein wahrgenommenen Berliner Kulturerbe und welchen Anteil nehmen die jeweiligen Gemeinschaften am Erbe der Anderen? Welche Möglichkeiten der Integration bzw. der Kommunikation eröffnet die Befassung mit dem Thema Kulturerbe, und sei es die Kommunikation über Differenzen?


Route:

Die Führung, die auf ersten Ergebnissen des Studienprojektes „Das fremde Erbe“ basiert, dient einer Annäherung an den reichen Bestand in Tempelhof und Kreuzberg.

Wir beginnen an der Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt, dem Kultbau einer früheren Migrantengruppe, nämlich der aus Frankreich vertriebenen Hugenotten. Menschen und Kirche waren seinerzeit in Berlin gleichermaßen fremd. Heute sind sie fester Bestandteil der Berliner Bevölkerung und des deutschen Erbes.

Mit diesem Beispiel im Sinn wollen wir uns zur Sehitlik Moschee am Columbiadamm in Tempelhof begeben, die 2004 fertig gestellt wurde und dort der Frage nachgehen, ob dieser Ort, wie die Französische Friedrichstadtkirche, eines Tages als Berlinisch angesehen werden könnte. Das Gotteshaus befindet sich auf dem Grundstück des ältesten erhaltenen islamischen Friedhofes in Berlin, dessen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurück reicht. Hier soll es um die ältere Geschichte der muslimi-schen Gemeinschaft in Preußen gehen. Wir verweisen auch auf andere Orte, wie auf die älteste erhaltene Berliner Moschee in Wilmersdorf (1923 erbaut).

Muslime in Berlin wurden Opfer politisch motivierter Gewalttaten, daran erinnert eine Bronzestele direkt im Herzen Kreuzbergs: das Denkmal für den Türken Cellatim Kesim. Kesim war Gastarbeiter, Lehrer und Gewerkschafter, er starb am 5.1.1980 bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwi-schen türkischen Kommunisten und Rechtsradikalen „Grauen Wölfen“ am Kottbusser Tor.

An diesem Ort werden wir auf die Geschichte der Migration insbesondere der türkischen Gemeinschaft in Berlin eingehen. Welche Auswirkungen hatte sie auf das Stadtquartier, seine soziale und wirtschaftliche Struktur? Wie wirken Warenpräsentation und Reklameschriften, Kauf- und Ver-kaufsgewohnheiten im öffentlichen Raum?

Für die Vielfalt des muslimischen Lebens in Berlin steht das gerade im Entstehen begriffenen Ma-schari-Center an der Wiener Straße. Wir wollen seine Erbauungsgeschichte bzw. seine arabischen Bauherren vorstellen, sowie auf Widerstände gegen den Bau eingehen.

Enden wird die Führung kurz vor der Oberbaumbrücke an einer Skulpturengruppe des türkischen Bildhauers Mehmet Aksoy von 1987, die „Menschen in der Stadt“ zeigt, die zwischen zwei Welten leben und in diesen beiden Welten einerseits Spuren hinterlassen, andererseits an keinem der beiden Orte richtig anwesend sind. An diesem letzten weitgehend unbekannten „Migrationsdenkmal“ wollen wir diskutieren, welche Schwierigkeiten es mit sich bringt, zu emigrieren, an einem Ort heimisch zu werden. Wie verändern sich die Zuwanderer? Wie verändert sich Deutschland?

Weitere Informationen über diesen Termin…