Leibniz-Objekt des Monats

Dezember 2016

Leibniz über Leibniz

Leibniz’ Nachlass umfasst unzählige Manuskripte, Aufzeichnungen und Notizen. Allein in den Schriften der Reihe VIII, die in der Arbeitsstelle Berlin ediert werden, finden sich 4.656 Blätter, die zum Teil in unleserlicher Handschrift von Leibniz dicht beschrieben wurden. Neben seinen wissenschaftlichen Ausführungen und Rechnungen fallen immer wieder auch Notizen ganz anderer Art auf: der Universalgelehrte nutzte die Seiten, um kurze selbstgesprächsartige Gedanken festzuhalten oder schlicht seinen Einkaufzettel an den Rand zu notieren. So finden sich ganz alltägliche Hinweise auf zu kaufende Würsten, Brot und Wein und Selbsteinschätzungen Leibniz’, in denen er seine getriebene, rastlose und sprunghafte Seite zeigt.

 

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Online-Projekt des Jahresthemas 2015|16

Man mag es kaum glauben, aber der Nachlass des weltberühmten Frühaufklärers und Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz ist noch zu großen Teilen unveröffentlicht. Dass bislang weniger als die Hälfte von Leibniz’ Schriften, Notizen und Briefen ediert ist, liegt nicht allein an dem Umfang des überlieferten Materials. Dazu kommt, dass Leibniz nicht nur zu sehr verschiedenen Themen in verschiedenen Sprachen schrieb, sein Schriftbild spiegelt auch einen lebhaften und umtriebigen Geist wider: Leibniz’ Gedanken bahnen sich durch unzählige Streichungen, Ergänzungen, Ersetzungen hindurch ihren Weg auf Papier, dessen Seiten oft unleserlich zwischen den Zeilen und bis auf die Ränder kreuz und quer beschrieben sind. Bisweilen noch Jahre später kommentierte Leibniz seine Gedankenarbeit – manchmal nur lakonisch mit den Worten wie „nihil exitus“: (sinngemäß) Hat nichts ergeben.


Den 200.000 Blatt umfassenden Nachlass aufzuarbeiten und in eine historisch-kritische Gesamtausgabe zu überführen, hat sich die Leibniz-Edition zur Aufgabe gemacht. Die Arbeit teilen sich zwei Akademien (AdW Göttingen, BBAW) mit insgesamt vier Editionsstellen – zu erwarten sind weit mehr als 130 Bände, die in acht Reihen erscheinen. Dem Werk des Akademiegründers gewidmet, gehört das traditionsreiche Langzeitvorhaben wohl unbestritten zu den Herzstücken der BBAW. Die zwei Arbeitsstellen in Potsdam und Berlin bearbeiten die Reihe IV (politische Schriften) und die Reihe VIII (naturwissenschaftliche, medizinische, technische Schriften). Die Leibniz-Edition erschließt nicht nur Quellen für die laufende Forschung, sondern steht als wissenschaftliche Praxis vor ganz eigenen und in Zeiten von Digital Humanities hochaktuellen Herausforderungen. Ein Editionsprojekt dieser Laufzeit und Größenordnung macht Grenzen und Möglichkeiten heutiger Editionen deutlich und wirft zugleich Fragen nach der Zukunft und neuen Wegen wissenschaftlicher Quellenerschließung auf.

Auf der Website „Leibniz-Objekt des Monats“ wird über das Leibniz-Jahr 2016 hinweg jeden Monat ein Archivobjekt oder eine Handschrift vorgestellt und von Experten erläutert. Das Online-Projekt stellt einerseits die grundlegende Bedeutung von Leibniz für die Akademiegeschichte heraus und  macht andererseits die Arbeit „zu Leibniz“ sichtbar, die tagtäglich an der Akademie stattfindet. Die Gründungsurkunden der Kurfürstlichen Sozietät der Wissenschaften 1700, Dokumente rund um das Kalenderprivileg, die legendäre von Leibniz entwickelte Rechenmaschine oder komplizierte, kaum mehr nachvollziehbare Rechnungen und scheinbar unlesbare Marginalien und Notizen – die Gesamtheit der hier gezeigten Dokumente zeichnen ein ganz eigenes Bild vom Leben und Wirken des großen Visionärs.

 

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