Geistesblitze

Im Rahmen der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Als „Geistesblitz" bezeichnet man üblicherweise einen klugen, wenn nicht gar genialen Einfall, eine plötzliche Eingebung oder eine zündende Idee. Im Rahmen der erstmals stattfindenden „Geistesblitze", einer von den Musikfestspielen gemeinsam mit dem Jahresthema "Konflikte lösen!" der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften konzeptionierten Mini-Serie von kurzen Vorreden zu ausgewählten Darbietungen des Musikfestivals, entwickeln Expert:innen ihrer jeweiligen Fächer neue Gedanken, Querverbindungen oder Antithesen – funkelnd, prägnant und erhellend. 

Tickets erhalten Sie über die Webseite der Musikfestspiele hier.

Informationen zu den Spielstätten und zur Anfahrt finden Sie hier.

Christoph Markschies zu Monteverdi/Caravaggio

16. Juni 2026 | 19:30 Uhr | Hans Otto Theater, Glasfoyer

Prof. Dr. Christoph Markschies, Theologe und Historiker, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, zu den tableaux vivants

Ein wüster Raufbold, der mit Vorliebe gewalttätige Details religiöser Stoffe malte? In der Gemäldegalerie Friedrichs des Großen im Park von Sanssouci hängt das berühmte, von Caravaggio gemalte Bild vom „ungläubigen Thomas“, der seinen Zeigefinger tief in die Seitenwunde des auferstandenen Christus bohrt. Kein Blut fließt. Der so Angebohrte schreckt nicht einmal schmerzerfüllt zurück, sondern drückt am Handgelenk, damit der Finger recht tief in die Wunde hineinkommt. Wie sehen wir heute den Mann, der so etwas malte? Und was macht die Besonderheit, was die Zeitgebundenheit seiner Bilder aus, die in den den „tableaux vivantes“ zu sehen sind? Was soll der „ungläubige Thomas“ eigentlich glauben? Antworten auf diese Fragen bietet der „Geistesblitz".

Kerstin Pahl zum Farbenspiel

17. Juni 2026 | 19:00 Uhr | Ovidgalerie Neue Kammern Sanssouci, Blaue Galerie

Dr. Kerstin Pahl, Historikerin, zum Farbenspiel

Das 18. Jahrhundert gilt als das Jahrhundert des Gefühls. Zeitgenossen in ganz Europa strebten danach, Empfindsamkeit, sensibility oder sensibilité zu entwickeln: die Fähigkeit, das Schöne zu fühlen und feinste Stimmungsunterschiede zu erspüren. Musik, Kunst und Literatur waren dabei Trainingsfelder. Hier konnten die Sinne geübt, der Geschmack entwickelt und das Sensorium verfeinert werden.

Dörte Schmidt zu Orpheus

19. Juni 2026 | 19:30 Uhr | Kreuzgang Friedenskirche

Prof. Dr. Dörte Schmidt, Musikwissenschaftlerin, zu Orpheus

Christoph Willibald Glucks Orfeo ist ein mobiler Experimentalraum für Fragen wie: Was ist tragisch und wie kommt man damit zurecht? Wie verständigt man sich, wenn man nicht dieselbe Sprache spricht? Weil es eben keine Tragödie ist, sondern eine Oper, bietet das Stück Freiräume, die erlauben, dass wir uns mit seinen Protagonisten existentiellen Fragen stellen, und am Ende doch auf Amor hoffen dürfen.

Anita Traninger zu Il Trionfo del Tempo e del Disinganno

27. Juni 2026 | 18:15 Uhr | Erlöserkirche

Prof. Dr. Anita Traniger, Romanistin, zum Händel Oratorium 

Im Geistesblitz konzentrieren wir uns auf die Figur des „Disinganno“, die Enttäuschung. Die Verblendung und ihre Überwindung, das klare Sehen nach verwirrender Sinnestrübung ist keineswegs nur eine barocke Allegorie. Es ist eine Denkfigur, die vom Ausgang des Mittelalters bis zur Aufkärung immer wieder neu fruchtbar wird.